Beim Karpaltunnelsyndrom ist ein Nerv eingeengt.
Und zwar der sogenannte Mittelnerv – der Nervus medianus.
Dieser Nerv zieht gemeinsam mit mehreren Sehnen durch einen relativ engen Kanal am Handgelenk.
Den Karpaltunnel.
Wird es dort zu eng, gerät der Nerv unter Druck.
Und Nerven mögen Druck nicht besonders.
Typischerweise beginnt es mit einem Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern.
Betroffen sind vor allem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger und teilweise auch der Ringfinger.
Besonders häufig treten die Beschwerden nachts auf.
Die Hand schläft ein.
Man wird davon wach.
Man schüttelt die Hand aus.
Und zunächst wird es wieder besser.
Das ist ziemlich typisch.
Später können die Beschwerden auch tagsüber auftreten.
Beim Autofahren.
Beim Fahrradfahren.
Beim Telefonieren.
Oder einfach beim längeren Halten eines Gegenstandes.
Manchmal kommen Schmerzen hinzu, die bis in den Unterarm oder sogar weiter nach oben ziehen können.
Und irgendwann kann aus einem gelegentlichen Kribbeln ein dauerhaftes Taubheitsgefühl werden.
Dann wird es wichtiger.
Denn ein Nerv, der über längere Zeit unter erheblichem Druck steht, kann Schaden nehmen.
Die Muskulatur am Daumenballen kann schwächer werden.
Feine Arbeiten mit den Fingern fallen schwerer.
Gegenstände rutschen plötzlich aus der Hand.
Und ein bereits schwer geschädigter Nerv erholt sich auch nach einer Operation nicht immer vollständig.
Also Vorsicht!
Nicht jedes Kribbeln in der Hand ist ein Karpaltunnelsyndrom.
Auch Veränderungen an der Halswirbelsäule, andere Nerveneinengungen oder Erkrankungen der Nerven selbst können ähnliche Beschwerden verursachen.
Deshalb gehört vor die Behandlung zunächst eine vernünftige Diagnose.
Die Beschwerden und die körperliche Untersuchung geben meistens schon wichtige Hinweise.
Grundlegend ist, dass die Funktion des Nervus medianus neurologisch untersucht und seine Nervenleitgeschwindigkeit gemessen wird. Den Überweisungsschein gibt es vom Hausarzt oder durch uns. Der Termin beim Neurologen ist leider oft eine große Herausforderung.
Und dann stellt sich die entscheidende Frage:
Was machen wir damit?
Bei leichten Beschwerden kann zunächst eine nächtliche Schiene des Handgelenkes helfen.
Manchmal verschwinden die Beschwerden damit bereits oder werden zumindest deutlich besser.
Bei ausgeprägten Beschwerden, deutlichen Veränderungen der Nervenmessung, dauerhafter Taubheit oder beginnender Muskelschwäche sollte man über eine Operation nachdenken.
Das Prinzip dieser Operation ist eigentlich einfach.
Der Nerv braucht Platz.
Dazu wird das Band, welches den Karpaltunnel nach oben begrenzt, durchtrennt.
Der Nerv selbst wird dabei nicht durchtrennt.
Er wird entlastet.
Die Operation ist vergleichsweise klein und kann in aller Regel ambulant durchgeführt werden.
Aber auch eine kleine Operation bleibt eine Operation.
Und deshalb sollte auch hier vorher klar sein:
- Passen die Beschwerden wirklich zu einem Karpaltunnelsyndrom?
- Ist der Nerv tatsächlich eingeengt?
- Sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass eine Operation sinnvoll ist?
Wenn diese Dinge zusammenpassen, sind die Erfolgsaussichten der Operation in der Regel sehr gut.
Nächtliches Einschlafen und Schmerzen verschwinden häufig relativ schnell.
Bei einer schon länger bestehenden Taubheit braucht der Nerv dagegen Zeit.
Manchmal Wochen.
Manchmal Monate.
Und wenn der Nerv bereits dauerhaft geschädigt wurde, können Beschwerden zurückbleiben.
Deshalb sollte man nicht jedes Karpaltunnelsyndrom sofort operieren.
Man sollte mit einer notwendigen Operation aber auch nicht warten, bis der Nerv nichts mehr zu sagen hat.
Wie so oft liegt die vernünftige Lösung irgendwo dazwischen.
