Eine Instabilität der Wirbelsäule.
Das klingt zunächst einmal beunruhigend.
Ist es aber nicht immer.
Unsere Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln, Bandscheiben, Gelenken, Bändern und einer kräftigen Muskulatur.
Und sie soll sich bewegen.
Beweglichkeit ist also zunächst einmal etwas ganz Normales.
Problematisch kann es werden, wenn sich einzelne Abschnitte der Wirbelsäule stärker oder anders bewegen, als sie eigentlich sollten.
Dann sprechen wir von einer Instabilität.
Besonders häufig macht eine solche Instabilität Rückenschmerzen.
Oft sind es belastungsabhängige Beschwerden.
Manchmal tut langes Stehen weh.
Manchmal das Sitzen.
Manchmal bestimmte Bewegungen.
Und häufig lässt sich das alles gar nicht so einfach einem einzelnen Punkt zuordnen.
Gelegentlich können auch Nervenschmerzen auftreten.
Denn wenn sich zwei Wirbel gegeneinander verschieben, können sich auch die Nervenaustrittsöffnungen – die sogenannten Neuroforamen – verändern oder verengen.
Dann kann zusätzlich eine Nervenwurzel unter Druck geraten.
Der Schmerz zieht plötzlich ins Bein.
Aber auch hier gilt:
Nicht jede Verschiebung zweier Wirbel macht Beschwerden.
Und nicht jeder Rückenschmerz bei einer im Röntgen festgestellten Instabilität kommt tatsächlich von dieser Instabilität.
Das macht die Sache kompliziert.
Um eine krankhafte Beweglichkeit zu erkennen, können sogenannte Funktionsaufnahmen hilfreich sein.
Dabei wird die Wirbelsäule in unterschiedlichen Positionen geröntgt.
Zum Beispiel beim Vor- und Rückbeugen.
So kann man sehen, ob und wie stark sich einzelne Wirbel gegeneinander bewegen.
Und dann?
Gerade bei der Instabilität der Wirbelsäule kann der Patient selbst sehr viel erreichen.
Denn die Stabilität unserer Wirbelsäule kommt nicht nur von Knochen und Bändern.
Ein ganz wesentlicher Teil unserer Stabilität kommt von der Muskulatur.
Eine kräftige Rumpfmuskulatur kann die Wirbelsäule stabilisieren und entlasten.
Deshalb sind regelmäßige Bewegung und gezieltes Training so wichtig.
Rücken- und Bauchmuskulatur.
Core-Training.
Rumpfstabilisierung.
Yoga und Pilates können ebenfalls hervorragend geeignet sein.
Nicht unbedingt spektakulär.
Und auch nicht nach drei Trainingseinheiten erledigt.
Aber langfristig häufig wirkungsvoller, als man zunächst glaubt.
Und dann gibt es natürlich die Operation.
Eine sogenannte Spondylodese.
Dabei werden zwei oder mehrere Wirbel miteinander verbunden und das betroffene Bewegungssegment dauerhaft stabilisiert.
Das klingt zunächst logisch:
Etwas ist instabil.
Also machen wir es stabil.
Ganz so einfach ist es leider nicht.
Gerade bei überwiegend bestehenden Rückenschmerzen sollte die operative Stabilisierung das allerletzte Mittel sein.
Denn eine technisch erfolgreiche Operation bedeutet nicht automatisch Beschwerdefreiheit.
Manchmal werden die Schmerzen deutlich besser.
Manchmal nur teilweise.
Und manchmal bleiben sie trotz eines auf dem Röntgenbild wunderbar stabilisierten Wirbelsäulenabschnittes bestehen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem.
Wenn wir einen Teil der Wirbelsäule unbeweglich machen, müssen die angrenzenden Abschnitte einen Teil dieser Bewegung übernehmen.
Diese sogenannten Anschlusssegmente können dadurch im weiteren Verlauf stärker beansprucht werden.
Es können neue Verschleißerscheinungen entstehen.
Und manchmal eine neue Instabilität.
Die Lösung eines Problems kann also Jahre später ein neues Problem begünstigen.
Also Vorsicht!
Eine Spondylodese sollte nicht deshalb durchgeführt werden, weil auf einem Röntgenbild etwas wackelt.
Beschwerden, Untersuchung und Bildgebung müssen zusammenpassen.
Und die Möglichkeiten einer konsequenten konservativen Behandlung sollten ausgeschöpft sein.
Eine etwas andere Situation kann bei einer echten Spondylolisthese bestehen.
Dabei gleitet ein Wirbel gegenüber dem darunterliegenden Wirbel nach vorne.
Insbesondere bei jüngeren Menschen kann eine solche Veränderung durch eine sogenannte Spondylolyse entstehen und schon seit der Jugend bestehen.
Manchmal sieht man dann eine ansonsten erstaunlich wenig verschlissene Wirbelsäule.
Und eine einzige Etage, an der ein deutliches Problem besteht.
Wenn Beschwerden, neurologische Symptome und Bildgebung genau zu dieser einen Veränderung passen, kann eine operative Stabilisierung wesentlich sinnvoller sein als bei einer über viele Etagen verschlissenen Wirbelsäule.
Aber auch dann gilt:
Nicht das Röntgenbild entscheidet über die Operation.
Und schon gar nicht ein einzelner Satz in einem MRT-Befund.
Wir müssen herausfinden, welches Problem tatsächlich die Beschwerden verursacht.
Wir müssen überlegen, was ohne Operation erreicht werden kann.
Und erst danach dürfen wir uns die Frage stellen, ob eine Stabilisierung wirklich mehr Nutzen als Nachteile bringt.
Gerade bei der Instabilität der Wirbelsäule ist das manchmal eine ziemlich schwierige Entscheidung.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Information.
